Kreuzacker
Wohsiedlung Kreuzacker, Dietikon
Neubau mit 80 Wohnungen, realisiert 2026
Max Wiederkehr-Stiftung
Neff Neumann Architekten, Zürich
Farbberatung Innen und Aussen
Fotos: © Jeremiah Schwery | Prozess: © Nadja Hutter Cerrato
Entlang der Windeggstrasse in Dietikon springt der neue Baukörper sanft nach vorne und zurück. Auf der Gartenseite sind die volumetrischen Ausstülpungen grösser, der Bau greif in die parkähnliche Situation aus, verzahnt sich gleichsam mit dem Grünraum. Diese rhythmische Bewegung des Bauvolumens findet in der Gliederung der Fassade mit stehenden und liegenden Bauteilen eine Fortsetzung. Elemente aus unterschiedlich ausgerichteten Verkleidungen aber auch Materialien werden miteinander verwoben und erzeugen ein ausgewogenes Erscheinungsbild mit sinnlichen Qualitäten. Eine stehende Eternitverkleidung mit charakteristischer Wellenstruktur und ausgeprägtem Schattenbild oder eine liegende, hölzerne Brettverschalung mit der einprägsamen Textur von gehobeltem Holz sind Teil der Materialpalette genauso wie verschiedene Metalle für Elemente wie Fenster, Geländer und Dachrand. Fast jedem Material ist sodann ein eigener Farbwert – eine Farbbeschichtung – zugewiesen; wobei diese jeweils eine Verwandtschaft zu dessen Materialfarbe hat. Die Farbgebung der Hauptelemente insgesamt baut auf einem moderaten Warm-Kalt-Kontrast auf: Es gibt ein verhülltes, kühles Petrol für den Welleternit und ein warmes, gedecktes Oxidrot für das Holz. Ebenso rötlich jedoch in dunkleren verschatteten Nuancen sind die metallischen Fensterrahmen, Gesimse und Dachabdeckungen gehalten. Im Gegenspiel zu diesen tief klingenden Schattentönen treten die Storenverkleidungen wie grünlich schimmernde, eingewobene Bänder in Erscheinung und verbinden sich mit dem ebenso hell-türkis farbenen, textilen Sonnenschutz. Genauso leuchtend, aber nur in kleinster Quantität wie ein dünner Faden zeigt sich schliesslich aus dem Rotspektrum heraustretend ein sattes, den Farbklang würzendes, Pink. Die Farbgebung vermittelt in ihrer Gesamtheit einen tektonisch differenzierten, prägnanten Eindruck und ermöglicht eine Mehrfachlesart der Architektur.
Aspekte dieser sinnlich-opulenten, dichten Fassadengestaltung wie etwa das Spiel mit verschiedenen warmen und kühlen Farbnuancen werden in den Innenraum hineingetragen. Die Anzahl baulicher Elemente und damit auch die Farb- und Materialpalette sind im Treppenraum reduziert – so wirkt dessen Gestalt kraftvoll und elementar. Materialsichtiger Beton umschliesst einen kristallförmigen, in Dunkelheit gebetteten Raum, der von oben belichtet wird. Der Bodenbelag aus Tonplatten unterstützt eine erdig-warme Grundstimmung für das Ankommen in einem haptisch wirksamen Ankerraum, in dessen Mitte sich das Geländer wie eine flächige Farbskulptur in kühlem mittelhellem Petrol nach oben zum Licht entwickelt. Der Innenraum gewinnt seine Intensität im konzentrierten Erleben von Licht, Materialität und Farbe. Auch in den Wohnungen lässt sich das Grundspiel von Warm und Kalt in Form eines stillen, heiteren Echos noch wahrnehmen: Die fliessenden Wohnräume werden von einem mitteldunklen, mattierten Eichenparkett getragen – dieser bildet gleichsam die gehaltvolle Basis. Verschiedene Nuancen zarter Blaugrautöne für unterschiedliche Arbeiten in Holz wie Sockelleisten und Einbauschränke rahmen den Raum und verdichten bestimmte Orte innerhalb der Wohnungen. Schwarzrot lackierte Holzrahmen konturieren die unterschiedlich proportionierten Fensteröffnungen. Dann und wann überraschen in diesem stilvollen Setting Texturen, die einer vertrauten, gewöhnlicheren Architektur entstammen – wie etwa die Granitabdeckungen in den Küchen und das Fugenbild kleinformatiger, quadratischer, weisser Keramikplatten in den Bädern – und bilden so, unbunt schlicht und mit einem Augenzwinkern einen spannenden Kontrast zur eleganten Grundstimmung.